Konzept (integriert in das vorhandene Konzept)
- Zusätzliche Betreuungsleistungen nach §87b SGB XI -


Die immer größer werdende Anzahl von demenzkranken Bewohnern und Bewohnern mit gerontopsychiatrischen Erkrankungen stellt uns vor eine stetig wachsende Aufgabe, der wir uns mit steigender Intensität zuwenden wollen.

In unserer Einrichtung leben aktuell bis zu 56 Bewohner, sowohl mit vorgenannten Erkrankungen, als auch Bewohner, die diese nicht aufweisen.

Ziele:

Im Rahmen der Betreuung gilt es schwerpunktmäßig darum, vorhandene Ressourcen zu nutzen und die Bewohner zu aktivieren. Daraus resultiert eine Steigerung der Lebensqualität!

Eine würdevolle Begleitung mit hoher Einfühlsamkeit ist hierfür Voraussetzung und steht im Vordergrund.

Eine Überforderung (beider Seiten) ist hierbei unbedingt zu vermeiden!

„Besser häufig wenig, als selten viel."

Unsere Bewohner

1. werden akzeptiert, wie Sie sind, in jeglichen Facetten Ihres Verhaltens!

2. fühlen sich als Mensch angenommen, dürfen sein, wie Sie sind!

3. werden aktiviert im Rahmen Ihrer Ressourcen!

4. werden integriert, fühlen sich als Teil des Ganzen („Gemeinsam statt einsam!")

5. fühlen sich wohl, können zumindest temporär körperlich und geistig „einfach mal entspannen"!

6. haben eine sichere Umgebung und werden bei der zeitlichen, personellen, örtlichen und situativen Orientierung unterstützt!

7. bekommen keine (vermeidbaren) zusätzlichen, körperlichen Erkrankungen (Singen - Pneumonieprohhylaxe, kein Zug durch zu starkes Lüften etc.)

„Der Demenzkranke kann sich nicht ändern,
deshalb müssen wir uns ändern!"


Biografiearbeit

Lebenslauf?

Zeiten, in denen der Mensch gelebt hat?

„Wie wurde der Mensch, was er heute ist?"

Gesellschaftliche und kulturelle Aspekte sind zu berücksichtigen, bspw. das kulturelle Leben, Kleidung, Musik, Essen, Wohnen, Werte, Rituale.

Die sozialen Rollen des Bewohners haben sich kontinuierlich verändert
(Kind, Mutter/Vater, Ehefrau/-mann Großmutter/-vater, Witwe(r) etc.).

Hierdurch werden eine biografieorientierte und bedürfnisorientierte Pflege und Betreuung ermöglicht.

„Biografiearbeit ist nie zu Ende!"

Angehörigenarbeit (Entlastung und Betreuung)

Ein Aspekt von sehr großer Bedeutung ist die sehr gute Zusammenarbeit mit Angehörigen des Bewohners (Familie, Freunde, Nachbarn etc.).

Diese können Informationen von enorm hoher Wichtigkeit liefern, um dem Bewohner die Aufrechterhaltung seiner Gewohnheiten, Rituale und Vorlieben zu gewährleisten. Dinge, die uns Spaß machen, werden auch mit großer Motivation und Freude mitgemacht!
!Vorsicht bei Informationen Dritter! Vorlieben, Gewohnheiten und auch Rituale können sich im Laufe der Zeit geändert haben, neue Fähigkeiten können neu erlernt werden/worden sein.

Ferner sind die Angehörigen sowohl physisch, als auch psychisch einer hohen Belastung ausgesetzt. Daher ist die fortdauernde Information und/oder das aktive Zuhören hier unerlässlich.

Idealfall ist die Einbindung der Angehörigen (wenn gewünscht!) in die Betreuungsarbeit (dieses wird bspw. bei Festen bereits „gelebt").
Ein Angehöriger spielt hier z.B. Gitarre, das Personal singt mit Ihnen und den Bewohnern gemeinsam.

Wir führen diesen Anspruch an uns bereits aus, sind jedoch dabei, diese Anforderung weiter auszubauen und zu verbessern.

Geplant sind hier:
Angehörigentreffen, Fallbesprechungen (mit allen an der Pflege beteiligten!)

Arztsprechstunden im Haus


Defizite, Ressourcen, Ziele, Maßnahmen, Evaluation

Basierend auf der Pflegeplanung des Bewohners werden gemeinsam mit den Pflegefachkräften und basierend auf den Zielen geeignete Maßnahmen in die Betreuung integriert.

Die Maßnahmen werden kontinuierlich überprüft (evaluiert) und ggf. geändert, um die Zielsetzungen zu erreichen.

Eine reibungslose und stetige Kommunikation ist hierbei das wichtigste Kriterium und muss gewährleistet sein.
Auch hier gilt: „Gemeinsam statt einsam!"


Grundsätze der Arbeit und Aufgaben:

Maßnahmen und Tätigkeiten, die das Wohlbefinden, den physischen Zustand oder die psychische Stimmung der betreuten Menschen positiv beeinflussen können.

Beispiele:

- Malen und basteln
- Handwerkliche Arbeiten und leichte Gartenarbeiten
- Haustiere füttern und pflegen
- Kochen und backen,
- Anfertigung von Erinnerungsalben oder -ordnern
- Musik hören, musizieren, singen
- Brett- und Kartenspiele
- Spaziergänge, Ausflüge
- Bewegungsübungen und tanzen in der Gruppe
- Besuch von kulturellen Veranstaltungen, Sportveranstaltungen, Gottesdiensten und Friedhöfen
- Lesen und vorlesen

(GKV-Spitzenverband „Richtlinien nach §87 b Abs. 3 SGB XI zur Qualifikation und zu den Aufgaben von zusätzlichen Betreuungskräften in Pflegeheimen, Betreuungskräfte-RI vom 19. August 2008)


Uns steht eine große Herausforderung bevor, der wir uns gemeinsam mit allen beteiligten Personen (Personal, Angehörige, Ärzte) und allen sich engagierenden Menschen stellen werden, um unseren Bewohnern eine hohe Lebensqualität und einen Lebensabschnitt in Würde zu ermöglichen.


Anlagen:


Signale der Angst:

- Nesteln an der Kleidung
- Selbst erzeugte Geräusche
- Umherlaufen (Weg-/Hinlaufen à Heimweh!)
- Stereotype Handlungen


Fühlen durch:

- Berührung (Basale Stimulation)
- Töne und Klänge
- Farben und Formen
- Schmecken
- Riechen

 

 


Ich bin der Welt abhanden gekommen...

Ich bin der Welt abhanden gekommen,
mit der ich sonst viele Zeit verdorben,
sie hat so lange nichts von mir vernommen,
sie mag wohl glauben, ich sei gestorben!

Es ist auch gar nichts daran gelegen,
ob sie mich für gestorben hält,
ich kann auch gar nichts sagen dagegen,
denn wirklich bin ich gestorben der Welt.

Ich bin gestorben dem Weltgetümmel,
und ruh in einem stillen Gebiet!
Ich leb allein in meinem Himmel,
in meinem Lieben, in meinem Lied!

(Friedrich Rückert, 1821)

 

 


Was du mir sagst, vergesse ich.

Was du mir zeigst, erinnere ich.

Was du mich selbst tun lässt, begreife ich.

(Konfuzius)

 


Demenzkranke brauchen kein Mitleid;
Sie brauchen Menschen, die sie begleiten und unterstützen.
Wir sprechen nicht mit Kindern, wir sprechen mit erwachsenen Menschen.

Der Umgang mit Demenzkranken kann gelingen, weil viele Fähigkeiten von Demenzkranken genutzt werden können:

- Angewohnheiten und Routinegedächtnis
- Humor
- Emotionales Gedächtnis
- Wunsch nach Geselligkeit
- Soziale Fertigkeiten
- Motorische Fähigkeiten
- Musikverständnis
- Langzeitgedächtnis

 

Kommunikation:

- Blickkontakt aufnehmen und aufrecht halten
- Nicht von hinten ansprechen
- Kurze Sätze verwenden
- Mehrfachaufforderungen in einem Satz vermeiden
- Fragen vermeiden
- Lieder, Sprichwörter, Redewendungen etc. benutzen

Vermeide Konfrontationen
Handle zweckmäßig
Formuliere die Gefühle des Menschen mit Demenz und spende Trost (Validation)

Powell 2002

Kompetenzen von Demenzkranken


Demente fühlen sich

- jung
- leistungsfähig
- berufstätig
- gesund
- selbstständig


Demente

- reagieren spontan
- befriedigen ihre Bedürfnisse ohne Rücksicht auf soziale Normen
- sind hilfsbereit
- sind sozial aktiv
- können in der Gruppe leben
- ahmen Leitpersonen nach


Demenz - das unwiederbringliche Vergessen...

Nachdem Dr. Alois Alzheimer 1906 das erste Mal dieses Krankheitsbild beschrieb, hat sich über 100 Jahre später noch nichts wesentlich verändert.

Die Demenz bleibt unheilbar und (weitestgehend) unbehandelbar!

Daher ist es die große Herausforderung für alle an der Pflege und Betreuung beteiligten Personen, von dem Demenzkranken zu lernen und alles in unserer Macht stehende zu tun, um diesem Menschen ein würdevolles Leben zu ermöglichen!!!

Sebastian Luthardt/Betreuungskraft nach §87 b SGB XI

Auszüge bzw. das Nutzen des Konzeptes dürfen nur nach ausdrücklicher Genehmigung des Verfassers erfolgen!

 

 


Tel.: 04106 71634 und 74266 · Fax: 04106 75895
Pflegeheim Quickborn-Heide · Schwartmoorallee 3 · D - 25451 Quickborn-Heide · Tel.: 04106 71634 und 74266 · Fax: 04106 75895

site created and hosted by nordicweb